pfp Advisory: Und was erwartet uns 2021?

9. November 2020

Fondsmanager Roger Peeters gibt bei der langfristigen Geldanlage mehr auf grundsätzliche Trends anstelle von kurzfristigen Prognosen

9. November 2020. FRANKFURT (pfp Advisory). Das letzte Sechstel des Jahres ist angebrochen. Mit der erfolgten US-Wahl ist nun ein weiterer Fixpunkt dieses an Ereignissen nicht armen Jahres vorüber. Im Anschluss wäre es nicht verwunderlich, wenn sich die Augen nun mehr und mehr auf das kommende Jahr richten. Der Jahresausklang ist ja auch immer die Zeit der vielen Prognosen und Vorschauen. Also holen Volkswirte und Strategen überall ihre Kristallkugeln hervor und geben mögliche Szenarien ab, wie stark die Wirtschaft wächst oder wo der Leitindex möglicherweise notiert. Darüber hinaus können die „Propheten“ besonders glänzen, die wichtige Ereignisse erkennen und einordnen.

In diesem Kontext ist es vielleicht besonders interessant, noch mal in den Rückspiegel zu schauen. Wer von den Auguren hat es geschafft, vorherzusehen und einzusortieren, was für das Jahr 2020 besonders prägend sein wird. Ich habe mir jetzt nicht die Mühe gemacht zu recherchieren, wer geahnt hat, dass auf einem Markt für Lebendtiere im chinesischen Wuhan ein neues Virus auftritt, das einen Siegeszug um die ganze Welt binnen von Monaten vollendet und dazu führt, dass etwa in großen Teilen Europas mit dem Herbst bereits die zweite umfassende Kontaktsperre verhängt wird. Diese restriktiven Maßnahmen führen zu weitreichenden wirtschaftlichen Folgen, die uns noch viele Jahre lang beschäftigen werden. Alleine in 2020 werden die allermeisten Staaten wohl ökonomische Talfahrten erleiden, die wohl niemand so vorhergesehen hat.

Nun mag man mit Recht einwenden, dass dies kein vorhersehbares „Event“ gewesen sei und natürlich in keiner Prognose auftauchen konnte. Es handelt sich um ein Musterbeispiel des in der Börsenliteratur vom genialen Autor Nassim Nicholas Taleb populär gemachten Gleichnisses des „Schwarzen Schwans“, eines sehr unwahrscheinlichen und doch möglichen Ereignisses. Ist halt jetzt mal eingetreten und war so nicht absehbar, wie möglicherweise zahlreiche Prognostiker in ihren 2021-Vorschauen bei den integrierten Rückblicke für 2020 voranstellen werden.

So kann man es abtun. Aber dies halte ich aus zwei Gründen für ein wenig zu kurz gedacht.

Erstens wird mir der Begriff „Schwarzer Schwan“ persönlich mittlerweile ein wenig zu häufig verwendet. Bei der Covid-19-Pandemie ist er sicherlich deutlich anwendbarer als auf vieles andere, was in der vergangenen Dekade eingetreten ist und hiermit umschrieben wurde. Dennoch finde ich, dass einem dieses Sinnbild öfter als eine Art „Entschuldigung“ für durchaus nicht abwegige Ereignisse begegnet und durch diesen inflationären Gebrauch tendenziell an Aussagekraft verliert. 

Zweitens und entscheidender: Nicht jede Veränderung lässt sich banal mit „War dann halt Corona“ bagatellisieren. Vielmehr wirkte die Pandemie und deren Bekämpfung durch die Staatenlenker samt Nebenwirkungen oftmals wie ein Katalysator auf verschiedene Prozesse. Banales Beispiel: Einen Trend hin zur Digitalisierung in Unternehmen, Schulen und Behörden hat Corona nicht aus dem Nichts bewirkt, aber ganz sicher deutlich verstärkt.

Und hier setzen meiner Ansicht nach wirklich nutzwertige Prognosen ein. Jemand, der es schafft, wirkliche nachhaltige Trends, beispielsweise die wohl schon recht sichere Abkehr von Verbrennungsmotoren oder die noch deutlich strittigere Verabschiedung von individueller Mobilität frühzeitig und im Grundsatz beschreibend zu prognostizieren, liefert Mehrwert. Idealerweise versucht dieser Prognostiker auch gar nicht erst, sich darauf festzulegen, ob etwas 2021, 2025 oder 2030 eintritt. Es ist in der Rückschau dann oft auch nicht wirklich relevant. Interessanterweise richtet sich die Aufmerksamkeit aber dann doch viel stärker auf kurzfristige Fragestellungen und vermeintlich präzise Antworten: Wie viele Prozentpunkte wächst das Bruttoinlandsprodukt 2021? Wieviel US-Dollar kostet ein Euro in zwölf Monaten und wo steht der DAX denn am 31.12. des kommenden Jahres?

Aus meiner Sicht kann man kann viele dieser Vorschauen durchaus aufmerksam lesen, man sollte sich aber nicht davon leiten lassen beispielsweise in persönlichen finanziellen Allokationen. Denn zum einen werden Ereignisse wie Corona, vielleicht nicht so gravierend, aber ähnlich überraschend, auch 2021 eintreffen. Zum anderen ist ein Jahr als Zeitabschnitt zwar griffig, nachvollziehbar und vergleichbar, aber nun mal auch vergleichsweise kurz und somit für die Beurteilung wichtiger Prozesse nicht unbedingt geeignet. 

von Roger Peeters, pfp Advisory.
9. November 2020

Roger Peeters ist geschäftsführender Gesellschafter der pfp Advisory GmbH. Gemeinsam mit seinem Partner Christoph Frank steuert der seit über 20 Jahren am deutschen Aktienmarkt aktive Experte den DWS Concept Platow Fonds (WKN DWSK62), einen 2006 aufgelegten und mehrfach ausgezeichneten Stock-Picking-Fonds. Weitere Infos unter www.pfp-advisory.de. Peeters ist weiterhin Mitglied des Vorstands der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) e.V.. (Diese Kolumne erschien ursprünglich/erstmals auf der Seite der Börse Frankfurt.)

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