Mein Verein und ich

15. Dezember 2020

Andreas Rau, heute Director Wholesale Germany & Austria bei BMO Global Asset Management, in der Jugend Außenverteidiger beim 1. FC Kaiserslautern, hofft auf eine bessere Zukunft seines Vereins.

Hallo Andreas,

bisher habe ich noch nie einen Kunden interviewt, der selbst das Trikot des Vereins getragen hat, dessen Fan er ist. Du hast in der Jugend für den FCK gespielt. Wie kam es dazu? In welchem Alter bist Du zum FCK gewechselt?

Andreas Rau

In der Jugend habe ich bei einem in der Pfalz renommierten Jugendclub gespielt, der SG Mußbach, einem Ortsteil von Neustadt. Die SG Mußbach hat zu dieser Zeit mit einer Handvoll anderer Vereine die Spieler für die Südwest-Auswahl gestellt. Nach einem Spiel der Auswahl, zu der auch ein Torsten Lieberknecht gezählt hat, kam dann ein, heute würde man sagen, Jugendscout des FCK auf meine Familie und mich zu und fragte, ob ich Interesse an einem Probetraining hätte. Das war im Alter von 14 Jahren im Sommer 1989.

Tino Seebach

Wie war das damals, als Jugendlicher ein Angebot vom FCK zu bekommen?

Andreas Rau

Ich war verdutzt, total überrascht. Dann habe ich mich total gefreut, der FCK war schon, seit ich denken kann, „mein“ Verein. Natürlich war das ein Riesending, der FCK hat, gerade wegen der Historie um die Walter-Brüder, einen hohen Stellenwert in meiner Heimat.

Tino Seebach

1989/90, das war eine harte Saison, in der wir fast abgestiegen wären, aber dann durch den Trainerwechsel zu Karl-Heinz Feldkamp noch in der Liga auf Platz 12 gelandet sind. Außerdem konnten wir mit dem DFB-Pokalsieg gegen Bremen den ersten Titel seit 1953 feiern. Letztlich war das der Beginn der goldenen Ära des FCK in der Bundesliga. Was für eine Position hast Du denn gespielt und wer war Dein Idol?

Andreas Rau

Ich bin gelernter rechter Verteidiger und mein Idol war ganz klar die „Walz aus de Palz“, also Hans-Peter Briegel. Später dann, zu meiner aktiven Zeit in der Bezirksliga, war es Andreas Buck, was auch damit zu tun hatte, dass ich zum klassischen Außenbahnspieler umfunktioniert wurde. Durch die Namensgleichheit war „Buck“ auch mein Spitzname in dieser Zeit.

Tino Seebach

Von dem großen FCK unserer Jugend ist aktuell nicht mehr viel übrig. Seit dieser Woche ist der Verein aber schuldenfrei, nachdem das Insolvenzverfahren der 1. FC Kaiserslautern GmbH & Co. KGaA abgeschlossen wurde. Da kann man definitiv von einem Neustart sprechen. Aktuell steht der Verein auf Platz 14 in der dritten Liga, ist das jetzt der Tiefpunkt gewesen?

Andreas Rau

Definitiv ja! Einerseits ist natürlich mit dem geplanten Insolvenzverfahren ein sehr guter Grundstein gelegt, um vielleicht ein Stück weit den Reset-Knopf zu drücken. Auf der anderen Seite stehen wohl noch fünf Millionen offen, die vom e.V. getragen werden müssen. Eine Grundlast ist also nach wie vor da. Ich finde es auch gut, dass man jetzt mit regionalen Sponsoren arbeitet, einfach um die Identifikation des Vereins mit der Region weiter zu stärken. Leider müssen die aktuellen Führungskräfte das ausbaden, was ihre Vorgänger in den letzten beiden Jahrzenten angerichtet haben.

Tino Seebach

Seit dem Abstieg  2012 aus der ersten Liga haben Spieler wie Sandro Wagner, Kostas Fortounis, Kerem Demirbay, Amin Younes oder Sebastian Andersson das Trikot des FCK getragen. Bei allen hatte ich nach dem Wechsel das Gefühl, dass der Wechsel weg vom FCK zu einem Leistungssprung geführt hat. Alle diese Spieler sind danach Nationalspieler geworden. Warum konnten viele Spieler, die als Hoffnungsträger gekommen sind, ihre Leistung beim FCK nicht abrufen?

Andreas Rau

Ich glaube, der wesentliche Grund ist, dass die Unruhe in Vereinsgremien, Schulden und Negativmeldungen durch die Presse auch die Spieler belasten. Die Spieler werden jeden Tag damit in den Medien konfrontiert, und natürlich schlägt sich das auf die Leistung der Spieler nieder.

Am Ende des Tages ist es doch wie bei Kindern. Wachsen Kinder in einem behüteten Umfeld auf, dann ist es für die Entwicklung der Kinder besser. Auch wenn es sich hier um Profisportler handelt, so sind es doch nur Menschen.

Tino Seebach

Zum Umfeld gehören auch die Fans. Inwieweit hilft die Erwartungshaltung und der immer noch zahlenmäßig große Zuspruch der Fans dem Verein? Oder ist das ein Bremsklotz?

Andreas Rau

Ich stand selbst jahrelang in der West-Kurve. Man merkt sehr, dass die Mentalität der Menschen aus der Region sehr herzlich, sehr offen, aber auch sehr emotional ist. Das überträgt sich natürlich auf die Stimmung im Stadion. Die Fans sind das Herzstück des Vereins.

Der FCK ist, was Choreos betrifft, aus meiner Sicht immer noch untern den Top-Vereinen des deutschen Profifußballs, unabhängig von der Liga. Das sagt viel über die Leidenschaft der Fans aus. Das bekommt man auch oft positiv von Fans anderer Vereine widergespiegelt.

Auf der anderen Seite ist die Erwartungshaltung der Fans aufgrund der Historie natürlich riesengroß. Das ist wiederum eine große Last auf den Schultern der Spieler, die diese tragen müssen.

Tino Seebach

Was muss die mittelfristige Perspektive für den FCK sein, um auch wirtschaftlich bestehen zu können, also die nach wie vor hohen Fixkosten dieses Vereins zu tragen?

Andreas Rau

Wichtig ist aus meiner Sicht, dass man die Stadionlast los wird. Letztlich ist das Stadion, das 2005 eingeweiht wurde, einer der größten Kostenblöcke, die der FCK stemmen muss. Man muss es besser vermarkten, zum Beispiel über Namensrechte, um an dieser Stelle auch Einnahmen zu generieren, die dann wieder für Modernisierungsmaßnahmen genutzt werden sollten.

Sportlich muss das mittelfristige Ziel der Aufstieg in die 2. Liga sein, um sich dort über drei Jahre zu etablieren. Sollte dieser Schritt gelingen, ist das langfristige Ziel natürlich die 1. Liga.

Tino Seebach

„Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche“. Können Deine Kinder etwas mit dem FCK anfangen oder reicht die 3. Liga nicht, um ein Kind für einen Verein zu begeistern?

Andreas Rau

(lacht) Meine beiden Jungs, die mittlerweile 7 Jahre alt sind, wurden natürlich schon früh durch mich geprägt. Da ich, seit wir Kinder haben, nicht mehr ganz so häufig im Stadion bin wie früher, haben meine Jungs natürlich mitgekriegt, wenn ich 2. Bundesliga oder später 3. Liga geschaut habe.

Als meine Kids dann selbst angefangen haben, Fußball zu spielen, habe ich sie das eine oder andere Mal auf den „Betzenberg“ mitgenommen. Glücklicherweise waren das am Anfang immer Siege, obwohl das eher die Seltenheit war in den letzten Jahren.

Leider macht es die hohe Fluktuation der Spieler und auch die Tatsache, dass wenig Erfolg da war in den letzten Jahren, Kindern schwer, Fan zu sein.

Tino Seebach

Letzte Frage, nur nochmal zur Bestätigung, die Antwort hast Du eigentlich vorher gegeben: Werden wir jemals wieder 1. Liga spielen?

Andreas Rau

Ich bin geborener Optimist und daher sage ich ganz klar, ja! Die Frage ist nur wann. Der Grundstein für mehr Solidität ist gelegt worden. Was sich jetzt einstellen muss, ist der sportliche Erfolg. Im Moment bekommen die Spieler ihre PS noch nicht richtig auf die Straße, aber man muss dem Team auch Zeit geben, ein solches zu werden. Je schneller wir in die 2. Liga aufsteigen, umso besser ist das auch aus wirtschaftlicher Sicht. Es gibt ja mit Freiburg, Augsburg und Union Berlin aktuell einige Beispiele, dass es auch mit begrenzten Mitteln möglich ist, erfolgreich in der 1. Liga zu spielen.

Tino Seebach

Vielen Dank für das Interview, Andreas! Du machst mir Hoffnung.

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