Mein Verein und ich

15. Oktober 2020

Roger Peeters, der gemeinsam mit seinem Partner Christoph Frank die Boutique pfp Advisory und den Fonds „DWS Concept Platow lenkt, stellt sich unseren Fragen zu seinem Verein, dem 1. FC Köln.

Tino Seebach: Lieber Roger, ich mag Dich, ich mag den Effzeh, aber der Zeitpunkt für dieses Interview könnte natürlich nicht schlechter gewählt sein. Am letzten Spieltag gab es eine 1:3-Klatsche im Derby gegen Mönchengladbach. Der Effzeh steht mit 0 Punkten nach drei Spieltagen auf Platz 16 der Tabelle. Dabei hat das doch so gut mit Dir und dem Effzeh begonnen. Du bist am Freitag, den 07. September 1973 geboren. In den ersten zehn Jahren Deiner Kindheit ist Köln nie schlechter als Platz 8, wird sogar 1978 Meister. Wann beginnt der kleine Roger sich für Fußball zu interessieren und warum wurde es überhaupt der FC Köln?

Roger Peeters: Ja, Du hast alles schon auf den Punkt gebracht, da kann ich ja kaum noch etwas ergänzen. Tatsächlich bin ich in einem kritischen Alter sozialisiert worden, als der Effzeh noch sehr erfolgreich war. 1978, als ich fünf war, gewannen wir sogar ein Double. Mein Fan-Dasein begann um die Jahre 1980/81, als ich in der ersten Klasse war und auch selbst Fußball gespielt habe. Da wurde ich zum Effzeh-Fan und blieb es auch. Um auf Deine Eingangsfrage zurückzukommen: Ich habe dann erlebt, dass ein damals sehr erfolgreicher Verein jetzt seit 20 Jahren gefühlt zur Fahrstuhlmannschaft geworden ist, bei der man froh ist, wenn sie die Klasse hält. Das Gute daran ist, dass die Ansprüche sinken und man nicht ganz so schockiert ist, wenn ein Saisonstart so verläuft wie in diesem Jahr. Man hat sich ein wenig daran gewöhnt.

Tino Seebach: Bleiben wir trotzdem mal bei Deiner Kindheit, Du sagst, Du hast selbst Fußball gespielt, welche Position?

Roger Peeters: Ich war mehr in der Abwehr, und das hing nicht damit zusammen, dass ich so gut in der Abwehr gewesen wäre, sondern ich war einfach offensiv nochmal schlechter. Ich hatte keinerlei Ballgefühl und Talent und deshalb habe ich das dann auch nach sechs Jahren gelassen. Es hat sich schon früh abgezeichnet, dass ich eher etwa in Richtung Börse gehen sollte, als eine Karriere als Fußballprofi zu starten. Das war bei mir hoffnungslos.

Tino Seebach: Bleiben wir in den ersten zehn Jahren Deines Lebens. Ich habe meinem Sohn vor Kurzem die Zusammenfassung des WM-Halbfinals von 1982 gezeigt, die Aktion von Schumacher gegen Battiston. Mein Sohn stand mit offenem Mund da. Wie stehst Du der Person Schumacher als Effzeh-Fan gegenüber? Er war ja dann auch Euer Präsident.

Roger Peeters: Nun ja, wie jeder Effzeh-Fan meiner Generation ambivalent. Ich habe damals auch das legendäre Buch „Anpfiff“ gelesen, kurz nach dem Erscheinen. Ich fand Ihn immer eine Lichtgestalt, aber auch als Kind ist mir aufgefallen, dass er polarisiert hat. Übrigens auch ein paar Jahre später noch, da war ich 14. Im Schüleraustausch in Frankreich kam das Thema auf den Tisch, weil mein französischer Austauschschüler auch eine sehr starke Erinnerung an das Spiel hatte. Er war auf der Seite von Battiston und hatte natürlich nicht die beste Meinung von Schumacher.

Wir haben dann, na ja nicht gestritten, aber dann doch unsere unterschiedlichen Sichtweisen ausgetauscht. Der eine sagte: „Der ist nur unglücklich reingerannt“, der andere sagte: „Das war das schlimmste Foul der Geschichte.“ So ist das halt im Fußball.

Tino Seebach: Also Du hast ihn als Kind tatsächlich noch verteidigt. Wie war er dann für Dich als Präsident bzw. wie kann es sein, dass so eine Person Präsident wird?

Roger Peeters: Er ist nüchtern gesagt in seiner Funktion der typische Funktionär, wie er in vielen Vereinen aufgetreten ist. Der mehr, wie soll ich das sagen, für das Repräsentative zuständig ist. Ich halte ihn nicht für einen, der vom Spieler zum Macher wurde, wie es beispielsweise bei Uli Hoeneß ganz exemplarisch der Fall war. Ich glaube, Toni Schumacher ist eine identifikationsstiftende Figur geblieben. Er war aus meiner Sicht nicht der Funktionär, der den Verein inhaltlich nach vorne gebracht hat.

Tino Seebach: Wenn man chronologisch nach Deinem zehnten Geburtstag weitermacht, dann beginnen Mitte der 80er aus meiner Sicht nochmals schillernde Jahre des FC Köln, bis es dann 1998 kurz vor Deinem 25. Geburtstag zum ersten Abstieg kommt. Großartige Spieler wie Häßler und Littbarski tragen das Trikot. Der Trainer, unter dem Köln das letzte Mal über mehrere Jahre um die Meisterschaft kämpft, ist Christoph Daum. Danach geht es nach einem kurzen Zwischenhoch unter Jörg Berger im Prinzip über Jahre langsam bergab. Was war der Grund, dass der FC irgendwann kein Spitzenteam mehr war, das regelmäßig um internationale Plätze gespielt hat?

Roger Peeters: Ich komme ja aus der Unternehmensanalyse. Letztendlich muss man nüchtern immer dem Management die „Schuld“ oder die Verantwortung geben. Offensichtlich hat es der Effzeh weniger als andere Vereine mit einem ähnlichen Potential geschafft, dieses wirtschaftlich zu nutzen. Am Ende ist Fußball ganz eindeutig Business. Köln hat hervorragende Voraussetzungen. Es ist die viertgrößte Stadt Deutschlands. Es gibt einige finanzstarke Unternehmen in der Umgebung. Daraus wurde zu wenig gemacht. In den Jahren, als die Bundesliga startete, und der Effzeh seine erste starke Phase hatte, also noch vor meiner Geburt, hat man das exzellent umgesetzt. Damals waren wir auch wirtschaftlich der stärkste Verein Deutschlands, zumindest einer der Top-Vereine. Und das gab man nach der Phase, die Du skizziert hast, aus der Hand.

Als Thomas Häßler damals für sehr viel Geld zu Juve gewechselt ist, gab es in Köln diese legendäre Diskussion, „Was ist eigentlich aus den Häßler-Millionen geworden“. Tatsächlich hatte man nie das Gefühl, dass das Geld sinnvoll reinvestiert wurde.

Ich glaube, es gab nicht die eine Situation, wo man sagen könnte, „Das war die falsche Entscheidung“, aber es war die Summe an falschen Entscheidungen, die dazu geführt hat, dass der Verein jetzt unter seinen Ansprüchen spielt.

Tino Seebach: Jetzt sind wir im Jahr 1998 angekommen. Du bist kurz vor Deinem 25. Geburtstag und Köln steigt das erste Mal ab. Wo und wie hast Du den ersten Abstieg erlebt?

Roger Peeters: Den habe ich zuhause erlebt, total frustriert natürlich, und es war tatsächlich irgendwie eine Zäsur. Etwas Unvorstellbares und gleichzeitig ein Gefühl, dass sich bei jedem Abstieg wiederholt hat. „Das kann nicht sein“, „Da gehören wir doch wirklich nicht hin“. Allerdings hatte man bei vielen der Abstiege das Gefühl, „Na ja, so ganz unverdient war es sportlich nicht“, und tatsächlich sind die Abstiege die absoluten Tiefpunkte als Fan. Man stellt das Fan-Sein nie in Frage, man ist sein Leben lang Fan eines Vereins. Aber es fühlt sich natürlich auch nicht gut an. Dass mein Geschäftspartner Christoph gebürtiger Münchner und erfolgsverwöhnter Bayern-Fan ist, macht mein persönliches Fan-Dasein in der Hinsicht nicht einfacher.

Im Umkehrschluss muss ich auch sagen, die Wiederaufstiege waren wirklich tolle Erlebnisse und haben einem bescheidener gewordenen Fan tolle Momente beschert. 2014 etwa war ich mit meinen beiden ältesten Kindern vor Ort im Stadion beim 3:1 Heimsieg gegen Bochum am Ostermontag. Übrigens sind meine Frau und unsere sechs Kinder genau wie ich FC-Mitglieder.

Tino Seebach: Was war denn Dein insgesamt schönstes Stadionerlebnis?

Roger Peeters: Du kennst ja Einlaufkinder. In Köln gibt es darüber hinaus bei einem Heimspiel ein einziges sogenanntes „Stadionkind“, das ist 8-12 Jahre alt. Es macht mit dem Stadionsprecher ein Interview im gefüllten Stadion. Das ganze Programm vor dem Spiel Spiele geht über 4 Stunden. Umfassende VIP-Stadionführung plus Handschlag mit Präsidenten und Spielern auf dem Platz inklusive. Da muss man sich richtig bewerben und vor drei Jahren wurde meine älteste Tochter unter hunderten Bewerbern ausgesucht für das Spiel gehen Hoffenheim, ich durfte sie begleiten. Das war der Hammer, mein schönster Tag im Stadion, trotz eines unglücklichen späten 1:1 Ausgleichs der Gäste.

Tino Seebach: Seit dem ersten Abstieg seid Ihr nie länger als vier Jahre am Stück in der ersten Liga gewesen. Insgesamt gab es sechs Abstiege, natürlich auch genauso viele Aufstiege. Warum kommt da keine Konstanz rein?

Roger Peeters: Eine Konstanz erlangt man auf wirtschaftlicher Basis. Es ist ja auch kein Zufall, dass ein Verein wie Leipzig, der ein sehr starkes wirtschaftliches Fundament hat, es schafft, sich relativ schnell und offensichtlich auch nachhaltig in der Spitzengruppe zu etablieren. Köln wird meiner Ansicht nach erfolgreich sein, wenn man ein wirtschaftliches Fundament schafft und dann natürlich ein paar Jahre lang die richtigen sportlichen Entscheidungen trifft.

Konstanz kann sich nicht aus einzelnen Entscheidungen allein entwickeln. Es reicht auch nicht, einen tollen Spieler für 50 oder 60 Millionen Euro zu verkaufen. Ich habe durchaus das Gefühl, dass unser aktuelles Management ein paar gute Entscheidungen in den letzten 5-10 Jahren getroffen hat.

Es gibt nun mal auch jenseits der Traditionsvereine diese neuen Vereine mit großen finanziellen Möglichkeiten. Es ist nicht so einfach, sich da durchzusetzen, aber die Fan-Basis ist ja nicht schwächer geworden, sodass die Hoffnung besteht, der Verein könnte nochmal die Kurve bekommen.

Tino Seebach: Kann man das aus eigener Kraft schaffen oder benötigt man hierfür echte Investoren wie in England, die nur nach einer Abschaffung der 50+1-Regel kommen würden?

Roger Peeters: Das ist eine extrem gute Frage, die ich nicht klar beantworten kann. Es hängt am Ende davon ab, wie sich das Umfeld entwickelt. Wenn der Trend dahin geht, dass auch in Deutschland Vereine dominieren, die sehr stark von Investoren geprägt sind - dazu kann man aktuell durchaus auch Hertha BSC als Beispiel nehmen - dann wird es wahrscheinlich nicht möglich sein, ohne externen finanziellen Einfluss mitzuhalten.

Ideal ist natürlich die Lösung, wie sie in Deutschland aus meiner Sicht nur Bayern und Dortmund geschafft haben. Mehrere Investoren, die auf einer hohen Bewertungsbasis sehr viel Geld gegeben haben, wobei kein einzelner einen nachhaltigen Einfluss nimmt. Wenn so etwas in Köln möglich wäre, wäre das ein Traum. Aber das ist ganz weit weg von der jetzigen Situation.

Tino Seebach: Der Fan in Dir würde also sagen, die Lösung liegt bei starken Ankerinvestoren, aber die 50+1-Regel sollte gehalten werden, richtig?

Roger Peeters: Exakt, und es müssen eben mehrere Investoren sein. Idealerweise mindestens drei, besser fünf.

Tino Seebach: Wo steht der Effzeh am Ende der Saison und warum?

Roger Peeters: Ich hoffe auf einen Nichtabstiegsplatz. Warum? Et hätt noch emmer joot jejange.

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