Mein Verein und ich

12. August 2021

Jürgen Harter, geschäftsführender Gesellschafter von Medical Strategy und gebürtiger Augsburger, spricht mit uns über seinen Heimatverein den FC Augsburg und den Gemeinsamkeiten von Geschäftsleben und Leistungssport.

Hallo Herr Harter, Sie sind 1964 in Augsburg geboren und dort aufgewachsen. Das ist korrekt, oder?

Jürgen Harter

Ja, das stimmt genau.

Tino Seebach

Als Sie zehn Jahre alt waren, kehrte mit Helmut Haller 1974 ein Weltstar von Juventus Turin zum FCA zurück. Der FCA spielte in dieser Saison als Aufsteiger in einer der fünf Regionalligen unterhalb der 1. Bundesliga und scheiterte erst in der Relegation am Aufstieg in die erste Liga. Haben Sie eine besondere Erinnerung an diese Zeit?

Jürgen Harter

Ja, ich erinnere mich noch an das erste Spiel, das ich im Rosenaustadion gesehen habe, da war ich zehn Jahre alt. Mein Vater hat mich mitgenommen, das war gegen Heilbronn. Mir ist der Gästebus in Erinnerung geblieben, ein Doppelstockbus, damals eine Sensation. Das Rosenaustadion, eines der größten Stadien zu dieser Zeit mit 28.000 Plätzen, hat mich als Kind schon sehr beeindruckt. Jürgen Haller stand auf dem Platz, in Augsburg hat das damals einen richtigen Boom ausgelöst.

Tino Seebach

War die Rückkehr von Helmut Haller also der Beginn Ihrer Beziehung zu FCA?

Jürgen Harter

Mein Vater war derjenige, der mich für den Fußball begeistert hat, mit dieser Euphorie um Hellmut Haller war das natürlich einfacher. Das hat dann auch dazu geführt, dass ich angefangen habe, im Verein Fußball zu spielen.

Tino Seebach

Welcher Verein war das?

Jürgen Harter

Der TSV Neusäß, in einem Vorort von Augsburg. Ich muss aber sagen, dass ich nicht so lange durchgehalten habe, ich bin mit 17 dann zum Basketball gewechselt.

Tino Seebach

Welche Position spielten Sie damals?

Jürgen Harter

Ich musste rechter Verteidiger spielen. Es gab diese Lücke in der Mannschaft und ich durfte oder musste diese nun mal füllen. Wer spät dazu kam, musste dort spielen, wo einer gefehlt hat. Ich war dann eher semi-erfolgreich, sagen wir mal so.

Tino Seebach

Was waren Ihre Stärken und Schwächen?

Jürgen Harter

Größte Stärke war mit Sicherheit meine Schnelligkeit, ich konnte gut von hinten nach vorne Gas geben und so den einen oder anderen umspielen. Meine Schwäche war wohl die Rückwärtsbewegung. Ich habe hinten öfter einige Male gefehlt, wenn es gebrannt hat.

Tino Seebach

Und mit 17 ging es dann zum Basketball.

Jürgen Harter

Ja, 1977 habe ich mit Basketball begonnen und in der Zeit den Draht zum FCA für eine längere Zeit verloren. Den Sport habe ich 20 Jahre aktiv betrieben. Meine Idole waren damals natürlich ausschließlich in der NBA zu finden. Mit dem Draft 1984 von Michael Jordan zu den Chicago Bulls ist dieser Sport aus meiner Sicht auch weltweit in neue Dimensionen vorgestoßen.

Zugleich durchlebte der FCA eine längere Durststrecke von circa 20 Jahren, in denen er ausschließlich in der dritten oder sogar vierten Liga spielte. In der Zeit bin ich nur vereinzelt ins Stadion gegangen.

Tino Seebach

Wo liegen aus Ihrer Sicht die Gemeinsamkeit von Geschäftsleben und Leistungssport?

Jürgen Harter

Die Fokussierung ist in beiden Bereichen wichtig. Man muss seine Stärken und Schwächen kennen und sich fokussieren. Wir selbst sind ein Haus, das sich auf einen bestimmten Bereich spezialisiert hat. Man sollte sich nicht anmaßen zu glauben, man könnte alles. Das sehe ich im Sport ähnlich. Anhand der Ergebnisse im Zehnkampf habe ich diesen Vergleich selbst einmal gezogen. Es ist toll, was diese Sportler insgesamt leisten, aber kein Vergleich zu den Ergebnissen der Spezialisten in den Einzeldisziplinen.

Tino Seebach

Als Unternehmer ist es grundsätzlich einfacher, erfolgreich zu werden, als im Sport, oder? Seinen eigenen Körper kann man nur in begrenztem Maße anpassen oder verbessern.

Jürgen Harter

Absolut, kein Frage. Es gibt natürlich viele, die mit einem guten Körper ausgestattet sind, aber gerade Motorik und Koordination sind im Fußball und Basketball essenziell. Defizite in diesen Bereichen lassen sich selbst mit sehr viel Fleiß nicht ausgleichen, wenn andere dort einfach deutlicher bevorteilt sind.

Tino Seebach

Wo beginnt für Sie Doping im Sport?

Jürgen Harter

Im Prinzip bei allem, was man von außen zuführt, um die Leistung zu steigern.

Tino Seebach

Würden Sie persönlich Doping mit leistungssteigernden Substanzen zulassen, sofern diese keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Sportlerinnen und Sportler hätten?

Jürgen Harter

Nein, das würde ich auf keinen Fall erlauben.

Tino Seebach

Warum?

Jürgen Harter

Weil man es nicht entsprechend kontrollieren kann. Man müsste dann genau die Grenze ziehen, bis wohin etwas möglich bzw. gesundheitsschädlich ist. Das halte ich für nicht umsetzbar. Ich bin schon dafür, dass wir alles komplett clean lassen.

Stattdessen sollte man mehr auf die mentale Seite schauen. Das ist ein Aspekt, der mich sehr fasziniert. Allein was passiert, wenn ein neuer Trainer kommt, und eine Mannschaft auf einmal komplett anders auftritt und spielt, obwohl es immer noch die gleichen Spieler sind. Plötzlich sind Menschen in der Lage, mehr aus sich herauszuholen als zuvor. Das finde ich spannend, gleichzeitig glaube ich, dass hier noch sehr viel Entwicklungsbedarf besteht. Auf den jungen Talenten liegt ein wahnsinniger öffentlicher Druck. Die Frage ist doch, wie ich als Trainer einem Spieler helfen kann, diesen Druck auszublenden, so dass er seine optimale Leistung abruft und trotzdem ruhig schlafen kann, wenn er einen wichtigen Elfmeter verschießt.

Tino Seebach

Zurück zum FC Augsburg. Sie haben vorhin gesagt, dass Sie durch Basketball und die Dritt- und Viertklassigkeit des FCA den Draht zum Verein etwas verloren hatten. Wie hat er Sie dann zurückgeholt?

Jürgen Harter

Ganz erloschen war die Liebe ja nie. Auch aus den dunklen Jahren sind mir die Derbys im Pokal oder in der Liga, vor allem gegen 1860, in Erinnerung geblieben. Sie haben das Feuer in mir am Leben erhalten.

Nach dem Wiederaufstieg des FCA in die 2. Liga und einer Phase der Etablierung wurde ein wirklich guter Fußball gespielt. In dieser Zeit habe ich wieder angefangen, ins Stadion zu gehen. Mit dem neuen Stadion, das 2009 eröffnet wurde, wurde ich dann zum Dauergast auf der Tribüne.

Tino Seebach

Seit dem Aufstieg 2011 spielt der FCA in der Bundesliga. Die letzten beiden Jahre waren ja sehr knapp mit jeweils Platz 15. Ist Augsburg personell stärker oder schwächer aufgestellt als letzte Saison?

Jürgen Harter

Meiner Meinung nach ist der Verein etwa gleich gut aufgestellt. Das Problem bleibt die Innenverteidigung, gerade nach dem Verkauf von Kevin Danso. Hier fehlt ein Backup. Im Tor haben wir mit Gikiewicz einen super Torwart, im Mittelfeld und im Sturm sind wir nach meiner Einschätzung gut aufgestellt.

Tino Seebach

Mit Niklas Dorsch hat der FCA den aus meiner Sicht besten deutschen Spieler der U21-Europameister dieses Sommers für 7 Millionen Euro geholt. Viel Geld, aber mit der Chance auf ein sehr gutes Investment, oder?

Jürgen Harter

Das stimmt, wenn er verletzungsfrei bleibt, kann das ein sehr guter Deal gewesen sein. Jetzt hoffen wir mal, dass das eine Win-Win-Situation für beide Seiten wird. Vielleicht hat er bei uns eher die Möglichkeit, sich zu einem Anführer zu entwickeln, als in einem großen Verein.

Tino Seebach

Wo steht der FC Augsburg am Ende der Saison 2021/2022?

Jürgen Harter

Mit einem guten Mittelfeldplatz wäre ich schon sehr zufrieden. Einfach mal eine Saison nicht gegen den Abstieg spielen. Wenn ich nur an diese Zitterpartie am 33. Spieltag zuhause gegen Bremen zurückdenke (Augsburg gewinnt am vorletzten Spieltag 2:0 und sichert sich den Klassenerhalt), das war schon hart. Seit der FCA in der ersten Liga ist, habe ich einige Nerven für diesen Verein gelassen. Von daher wünsche ich mir einfach mal eine entspannte Saison.

Tino Seebach

Herr Harter, dann wünsche ich Ihnen ein im besten Sinne langweiliges Jahr mit dem FC Augsburg. Vielen Dank für das Interview. Ihnen und Ihrer Firma alles Gute für die Zukunft, ich freue mich, dass wir Sie in diesem Jahr bei unseren Tischgesprächen das erste Mal unseren Gästen präsentieren dürfen.

 

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