Investorenbrief November 2019

7. Dezember 2019

Das Böse ist immer und überall

Sehr geehrte Investoren und Freunde von Apus Capital,

dieser Satz ist eine Textzeile aus dem Hit „Ba, Ba, Banküberfall“ der österreichischen Kultband „Erste Allgemeine Verunsicherung“ und dürfte vielen von Ihnen bekannt sein. Wenn die Musiker in ihrem Lied aus den 80er Jahren auch „das Böse immer und überall sehen“, so entspricht ihre Vorstellung von kriminellen Handlungen noch der traditionellen Vorstellung vom Ablauf eines Verbrechens: Der Täter muss physisch vor Ort sein und setzt für seine Tat Gewalt oder zumindest die Androhung von Gewalt ein. Das hat sich mit der Entstehung des Internets dramatisch verändert. Nun ist das Böse tatsächlich „immer und überall“! Bei der Internetkriminalität können die Täter Tausende von Kilometern entfernt sein, sie verursachen keine körperlichen Schmerzen, machen aber dennoch große Beute und hinterlassen oft wesentlich größere wirtschaftliche Schäden als jeder Bankräuber.

Liebe Leser,

wenn auch die meisten Kriminalromane und Fernsehkrimis noch in der „alten Verbrechenswelt“ spielen, finden die Verbrechen in der Realität inzwischen in zunehmenden Ausmaß in der digitalen Welt statt: Die Cyberkriminalität ist der wahre „Boommarkt der Unterwelt“! Darüber hinaus wird die digitale Welt immer mehr zum Schauplatz „kriegerischer Auseinandersetzungen“ und terroristischer Angriffe. Die bekannten Hackerattacken auf den deutschen Bundestag oder das ukrainische Stromnetz sind dabei nur die Spitze des Eisbergs!    

      

Video „Ba, Ba, Banküberfall“

Video zur Cyberkriminalität

Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat, Artikel zur Cyberkriminalität


Cyberkriminalität ist die Kehrseite der beschleunigten Digitalisierung: Indem immer mehr geschäftliche, öffentliche und private Prozesse digitalisiert werden und die Anzahl der Geräte, die über einen Internetzugang verfügen dramatisch zunimmt, wird es für Kriminelle immer interessanter, die sich hieraus ergebenden „Geschäftsmöglichkeiten“ zu nutzen.  

Laut BKA wurden 2018 rund 87.000 Fälle von Online-Kriminalität mit einem Schaden von 60 Millionen Euro registriert. Experten gehen jedoch davon aus, dass rund 90% der Straftaten nicht zur Anzeige gebracht werden. Gerade Wirtschaftsunternehmen fürchten den damit verbundenen Imageschaden. Der IT-Branchenverband Bitkom rechnet daher alleine für Deutschland mit einem jährlichen Schaden von 55 Milliarden Euro. Dabei sind die kriminellen Umsätze im sogenannten "Darknet“ – dem nicht öffentlich zugängigen Teil des Internets – noch nicht hinzugezählt. Dort werden verstärkt Drogen, Waffen und andere illegale Waren gehandelt. Kryptowährungen helfen den Kriminellen dabei, ihre Geschäfte abzuwickeln, da ihre Zahlungstransaktionen anonym durchgeführt werden. Weltweit schätzt man den Schaden durch Cyberkriminalität inzwischen auf fast 600 Mrd USD, was 0,8% des weltweiten Sozialproduktes entspricht! Die Beratungsfirma Accenture schätzt, dass dieser Schaden in den kommenden 5 Jahren kumuliert auf 5,2 Billionen USD anwachsen und nahezu alle Branchen betreffen wird.

Gefahren durch Cyberkriminalität steigen - hohe Dunkelziffer

Darknet: So funktioniert der Zugang ins Deep Web

600 Milliarden Dollar Schaden durch Cybercrime


Die enormen Geschäftsmöglichkeiten der Onlinemärkte haben dazu geführt, dass sich in der Cyberkriminalität inzwischen professionelle Strukturen etabliert haben. Hier ist eine international aufgestellte Schattenwirtschaft entstanden, die erhebliche Summe in ihre technologische Ausstattung investiert. Die klassischen Hacker, die sich aus ideologischen Gründen oder reiner Abenteuerlust in fremde Netzwerke einloggen, bilden inzwischen nur noch eine kleine Minderheit. Demgegenüber sind Mafia-ähnliche Organisationen entstanden, die sich auf die kriminelle Nutzung des Internets spezialisiert haben. Darüber hinaus gibt es in vielen Staaten inzwischen „Cyberarmeen“, in denen die besten Entwickler des Landes für digitale Angriffe und Abwehrmaßnahmen gegenüber anderen Ländern eingesetzt werden. Noch dramatischer ist, dass sich im Darknet eine eigene Dienstleistungsindustrie für Cyberkriminalität entwickelt hat. Nach dem Motto „Digital Crime as a Service“ entwickeln sie zum Beispiel Erpressertrojaner oder Malware im Auftrag von Dritten.

Cybercrime Is The Modern-Day Mafia 

Malware as a Service in Russland Realität

Video: „Malware as a Service”

Nicht zuletzt aufgrund dieser „Dienstleister“ hat die Anzahl der kriminellen Aktivitäten im Internet dramatisch zugenommen. Jeden Tag werden unzählige neue Angriffe auf Privatpersonen, private Unternehmen und öffentliche Einrichtungen gestartet. Hierbei verwenden die Angreifer häufig keine eigenen Server mehr, sondern hacken sich in fremde Rechner ein, von denen aus sie ihre Attacken starten. So kann jeder von uns - ohne es zu wissen - Teil eines kriminellen Netzwerkes werden.

      
Vor dem Hintergrund der sprunghaft zunehmenden Cyber-Attacken befinden sich viele Unternehmen in einem Dilemma: Um in Zukunft erfolgreich zu sein, müssen sie in ihre Digitalisierung investieren, Industrie 4.0 Konzepte einführen, Cloud-Lösungen umsetzen und sich zunehmend mit ihren Zulieferern und Kunden vernetzen. Umgedreht sinkt ihr Vertrauen in die Sicherheit des Internets. Die Manager könnten daher aus Sicherheitsbedenken wichtige Investitionen aufschieben. Cyberkriminalität würde sich damit zur weltweiten Wachstumsbremse entwickeln.
   

PDF: Securing the digital economy

Eine ähnliche Problematik ergibt sich bei anderen mit dem Internet der Dinge verbundene Wachstumsfeldern: Die für das autonome Fahren notwendige Vernetzung mit den übrigen Verkehrsteilnehmern und der Straßeninfrastruktur könnte ein erhebliches Risiko für Verkehrsteilnehmer werden. Erfolgreiche Hackerangriffe auf Tesla Fahrzeuge belegen dies. Ein ähnliches Gefährdungspotential gibt es im öffentlichen Bereich bei vernetzten Strom-, Wasser-, Gasnetzen oder auch Kliniken und Nahverkehrssystemen wie im privaten Umfeld für Smart-Home-Konzepte. Der Bestsellerroman „Blackout“ von Marc Elsberg zeigt die im Extremfall hieraus resultierenden dramatischen Folgen eindrucksvoll auf.   


Ingenieur.de "Wagen gehackt, Stadt blockiert"

hr_info: "Warum Vernetzung Kliniken angreifbar macht"

 
Angesichts des unverminderten Wachstums des Internets und der damit verbundenen Gefährdungspotentiale steigt der Bedarf nach Sicherheitslösungen dramatisch an. Der Markt für Cybersecurity Lösungen soll sich laut einer Studie in wenigen Jahren auf knapp 250 Milliarden USD  verdoppeln. Größere Unternehmen müssen in Zukunft 15-20% ihres IT-Budgets für Sicherheitslösungen ausgeben, was einem jährlichen Volumen von 250 bis 300 Millionen € entspricht. Neben eigenen Investitionen in die IT-Sicherheit kommen hierbei auch IT-Dienstleistungen von großen   Telekommunikationsunternehmen (die Deutsche Telekom verfügt zum Beispiel über 1.600 IT-Security Experten) oder IT- Serviceunternehmen zum Einsatz.
 
Da das Internet und die damit verbundenen Gefahren weiter rasant wachsen und Technologien wie künstliche Intelligenz oder Blockchain neue Möglichkeiten zur Abwehr bieten, finden gerade im IT-Security Bereich zahlreiche Unternehmensgründungen statt. Sie stoßen dabei auf erhebliches Interesse der Venture Capital Firmen, die in den letzten Jahren 33 Milliarden USD in über 4.100 Unternehmen aus dem Bereich Cybersecurity angelegt haben.
 

Was hat das alles mit APUS zu tun?

Dass die Bedrohung durch Cyberkriminalität real ist, haben wir vor kurzem bei Demant, einem dänischen Hörgerätehersteller gesehen, dessen Aktie wir in unserem Marathon Fonds halten. Die Gesellschaft rechnet mit einem Verlust von 80 bis 95 Millionen USD durch einen Hackerangriff Anfang September diesen Jahres!

Da wir in die Unternehmen investieren, welche „die Gewinner des Wandels“ sind, bieten sich für uns natürlich auch Gesellschaften aus der IT-Security-Branchen  als Investitionsziel an. Zwar gibt es in unserem Heimatmarkt Europa nur wenige an den Börsen notierten Unternehmen, die sich ausschließlich mit der Internetsicherheit beschäftigen. In einem aussichtsreichen, kleineren Anbieter aus Frankreich sind wir mit der Firma Wallix aber investiert. Darüber hinaus haben alle in unseren Fonds gehaltenen IT-Service Unternehmen wie Atea, Bechtle, Devoteam, Infotel und Reply nennenswerte Cybersecurity-Aktivitäten. Das gleiche gilt für die im ReValue Fonds enthaltenen Halbleitergesellschaften Infineon und STMicroelectronics wie auch das Softwareunternehmen Serviceware. Sie als unsere Anleger profitieren damit indirekt vom Boom im Internetsicherheitsbereich. Darüber hinaus schauen wir uns weitere Unternehmen aus IT-Security Sektor an, die früher oder später ihren Weg in unsere Fonds finden könnten. Generell dürfte uns das anhaltend hohe Wachstum des Internets mit seinen nahezu unendlichen Nutzungsmöglichkeiten auch in den kommenden Jahren erhebliche Wachstumschancen und Investitionsmöglichkeiten eröffnen.

           

Die von uns bei zahlreichen unserer kleineren Portfoliounternehmen gesehenen erheblichen Geschäftspotentiale haben sich auch im Oktober noch nicht in den Kursen niedergeschlagen. Unsere Fonds konnten daher dem Anstieg des DAX nicht ganz folgen. Im Vergleich zu den meisten übrigen Indices war die Monatsentwicklung jedoch erfreulich. Bei einigen Werten verzeichnen wir aber in den ersten Novembertagen eine spürbare Belebung, was uns für den Rest des Jahres optimistisch stimmt. Die anstehenden größeren Investorenkonferenzen wie das Deutsche Eigenkapitalforum könnten hier für weitere Unterstützung sorgen.

Im Einzelnen erzielte der APUS Capital Revalue Fonds im Berichtsmonat einen Wertzuwachs von 1,9%, während der APUS Marathon Fonds um 2,2% zulegen konnte. Seit seiner Auflage im Oktober 2011 weist der ReValue Fonds damit eine Performance von 130% bzw. 11% p.a. auf, während der Marathon Fonds trotz seines schwierigen Startzeitpunkts im Herbst 2017 eine Performance von 5% bzw. 2,4% p.a. erzielte und sich damit besser als die meisten relevanten Indices entwickeln konnte.  

Sehr geehrte Investoren und Freunde von Apus Capital,
fast jede Innovation ist Segen und Fluch zugleich! Meist liegt es nur daran, was wir Menschen daraus machen. So ist es auch mit dem Internet. Doch trotz aller damit verbundenen Gefahren möchte keiner von uns die mit dem weltweiten Netz verbundenen Vorteile mehr missen. Der ewige Zweikampf zwischen Gut und Böse wird uns leider auch in „der schönen und neuen Welt“ der Digitalisierung begleiten. Wo es Risiken gibt, eröffnen sich aber auch attraktive Chancen. Das gilt für den IT-Security-Bereich, wie auch für zahlreiche andere spannende Wachstumsfelder. Unser Ziel ist und bleibt es, Sie an den sich hieraus ergebenden Kurspotentialen zu beteiligen!           
   
Mit besten Grüßen von den Mauerseglern aus Frankfurt!
Dr. Wolfram Eichner, Jürgen Kaup, Johannes Ries, Harald Schmidt, Dr. Roland Seibt und Heinz-Gerd Vinken

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