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DAX vs. S&P 500: Der Vorsprung schmilzt

6. Oktober 2025 (Anzeige)

Nach furiosem Start ins Jahr tritt der DAX seit Mai auf der Stelle. Der S&P 500 holt immer mehr auf. Wer wird das Performance-Duell 2025 für sich entscheiden?

Einen Vorsprung zu verspielen, kann sich ziemlich unangenehm anfühlen. Ein schwarz-gelber Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet musste diese Erfahrung unter der Woche beim spektakulären 4:4 in Turin wieder einmal leidvoll durchleben. Die deutschen Basketballer hingegen haben ihre knappe Führung am vergangenen Sonntag schlussendlich erfolgreich nach Hause gebracht. Im Bereich der Aktienmärkte liegt der DAX gegenüber dem S&P 500 vermeintlich komfortabel in Führung. Aber der Vorsprung schmilzt fast jeden Tag. Noch sind es etwas mehr als drei Monate bis zum Jahresultimo und es könnte ein ziemlich spannendes Finish geben. Nachfolgend eine Abschätzung, wie dieser Wettkampf ausgehen könnte.

In der bisherigen Jahresperformance liegt der DAX mit einem Kursplus von 19 Prozent scheinbar deutlich vor dem amerikanischen S&P 500, der inklusive der Dividenden bislang auf einen Zuwachs von 14 Prozent kommt. Aber der DAX-Vorsprung schmilzt. Sollte der S&P 500 den DAX noch einholen, wäre dies sein neunter Sieg in den vergangenen zehn Jahren.

DAX vs. S&P 500: Zuletzt gab es viele Niederlagen


Quelle: Bloomberg, antea, Stand: 19.09.25

Der noch bestehende Performance-Vorsprung des DAX resultiert hauptsächlich aus der sehr starken Kursentwicklung zu Beginn des Jahres. Mitte März lag der DAX bereits mit über 17 Prozent im Plus. Der S&P 500 hingegen kam nur schwer in Fahrt und lag zu diesem Zeitpunkt mit mehr als vier Prozent im Minus. Fast 22 Prozentpunkte lag der DAX seinerzeit vor dem S&P 500. Es sollte die größte Führung im bisherigen Jahresverlauf bleiben.

Bis heute ist der Performance-Vorsprung des DAX auf nur noch fünf Prozentpunkte zusammengeschmolzen. Bis zum Jahresende sind es noch etwa siebzig Handelstage. In den vergangenen siebzig Handelstagen seit Mitte Juni trat der DAX per Saldo auf der Stelle, während der S&P 500 mehr als zehn Prozent zulegen konnte. Sollten diese Trends in den kommenden Wochen anhalten, würde der S&P 500 den DAX Ende Oktober einholen und ihn bis Ende 2025 um rund acht Prozent distanzieren.

Damit der DAX seinen Performance-Vorsprung gegenüber dem S&P 500 nicht vollständig verspielt, wäre ein neuer Aufwärtstrend bei seiner Kursentwicklung sicherlich hilfreich. Doch was könnte der Auslöser für eine erneute Kursrallye sein?

Der S&P 500 holt beständig auf


Quelle: Bloomberg, antea, Stand: 19.09.25

Eine Möglichkeit wäre – im Mannschaftssport häufig erfolgreich eingesetzt – frisches Personal. Und tatsächlich startet der DAX am kommenden Montag mit einer neuen Zusammensetzung in den Jahresschlussspurt: Sartorius und die Porsche AG werden ersetzt durch Scout24 und die GEA Group. Von der Marktkapitalisierung her spielt sich dieser Doppelwechsel allerdings im unteren Achtel des DAX ab. Deshalb ist es eher unwahrscheinlich, dass die Kursentwicklung der „eingewechselten“ Unternehmen einen entscheidenden Einfluss auf die Kursentwicklung des gesamten DAX nehmen wird.

Eine weitere Möglichkeit wäre, auf die geheimnisvollen Kräfte der Saisonalität zu vertrauen. In schöner Regelmäßigkeit, wenngleich nicht in jedem Jahr, holt der DAX Ende September tief Luft und startet ab Anfang Oktober ein Kursfeuerwerk.

Häufig startet der DAX im Herbst eine Kursrallye


Quelle: Bloomberg, antea, Stand: 19.09.25

Sollte der DAX auch dieses Jahr eine Herbstrallye starten, wäre es erfreulich, wenn diese durch verbesserte Gewinnerwartungen begleitet würde. Diesbezüglich hat der DAX im bisherigen Jahresverlauf jedoch nicht geglänzt. So haben die Analysten seit Jahresbeginn ihre Erwartung zur Höhe der Gewinne der DAX-Unternehmen in diesem und im nächsten Jahr um jeweils rund acht Prozent reduziert. Gleichzeitig jedoch sind die Erwartungen für das Gewinnwachstum im Jahr 2026 auf mehr als 14 Prozent angestiegen. Das ist mehr als für den S&P 500 (+12,5 Prozent) oder gar für die Magnificent-7 (+13,3 Prozent) erwartet wird.

Wenn ein Kursanstieg mit einem Rückgang der Gewinnaussichten eingeht, ist dies gleichbedeutend mit einem steilen Anstieg des Bewertungsmultiplikators, also dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Und tatsächlich ist das KGV für den DAX in diesem Jahr bereits um fast 25 Prozent angestiegen.

DAX: Schwache Gewinnaussichten, höheres KGV


Quelle: Bloomberg, antea, Stand: 19.09.25

Conclusio: Die Hoffnung auf weitere Kurssteigerungen des DAX in Richtung Jahresende gleicht der Quadratur des Kreises: Einerseits signalisiert der übliche Jahresverlauf ab Anfang Oktober eine dynamische Kursentwicklung. Andererseits ist im DAX bereits eine anspruchsvolle Gewinnentwicklung eingepreist: Die Erwartungen zur Höhe der Gewinne gehen zurück, aber die Erwartungen zum Gewinnwachstum nehmen zu. Sollte die Saisonalität die Oberhand behalten und die Kurse steigen, ohne dass sich die Gewinnaussichten aufhellen, wäre dies gleichbedeutend mit einer weiteren Zunahme der ohnehin schon hohen Aktienbewertung. Alle Faktoren zusammengefasst lässt sich schlussfolgern, dass es der DAX nicht leicht haben wird, im weiteren Jahresverlauf noch einmal eine Kursrallye zu starten, um den S&P 500 auf Distanz zu halten. Darf der DAX auf einen Schwächeanfall des amerikanischen Leitindex hoffen? Danach sieht es dieser Tage eher weniger aus. Aus Sicht des Anlegers entscheidet über den Sieg jedoch der Performancevergleich in Euro. Und in diesem Vergleich liegt der DAX fast zwanzig Prozentpunkte vor dem S&P 500 – das müsste doch eigentlich reichen.

 

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